Magico

Alon Wolf
Alon Wolf

Der Perfektionist

 

Alon Wolf kann faszinierend sein. Wenn der Gründer von MAGICO auf das Lautsprecherdesign als einem seiner bevorzugten Themen zu reden kommt, lassen die Stärke seiner Überzeugungskraft, die Tiefe seines Fachwissens und seine Reaktionssicherheit die Skeptiker verstummen. Wolf lässt bei dem, was er sagt, keine Skepsis aufkommen. Im Gegenteil: Es macht Sinn. Nehmen wir zum Beispiel zwei seiner hauptsächlichen Ärgernisse: das MDF-Material (MDF = Medium-Density Fiberboard = mitteldichte Faserplatte), wie es bei der Mehrzahl der Lautsprechergehäuse zur Anwendung kommt, und das damit verbundene rückständige Lautsprecherdesign. Bei einem unserer zahlreichen ausführlichen Gespräche sagte er: "Man muss sich nur umschauen. Jeder gelernte Tischler kann von sich behaupten, auch ein erfolgreicher Lautsprecherbauer zu sein, und im Handumdrehen gibt es ein neues Gehäuse aus MDF-Material mit einer hübschen Verblendung und serienmäßig gefertigte bzw. modifizierte ScanSpeak- oder Accuton-Keramiktreiber."

"Vor zehn Jahren baute ich meinen ersten Aluminiumlautsprecher. Aluminium ist weit besser als MDF-Material für ein Gehäuse geeignet. Ein Gehäuse sollte sowohl gut gedämpft als auch steif sein. Das MDF-Material ist zwar sehr gut gedämpft, aber nicht besonders steif. Das Gehäuse sollte außerdem auch Masse haben. Da sich MDF-Material u.a. aus Harz und Klebstoff zusammensetzt, ist es nicht wirklich fest. Wenn Sie einen Treiber an einem MDF-Gehäuse anbringen, gilt: Da es sich beim MDF-Material um gedämpftes Material handelt, verschluckt es einen Großteil der Energie, die der Treiber aussendet. Das MDF-Material speichert die Energie, die sich aufbaut, was in Form von Verfärbungen und Dynamikverlust zu hören ist. Wenn Sie einen in einem gut gedämpften Aluminiumgehäuse untergebrachten Treiber hören, dann können Sie Feinheiten wahrnehmen, die bisher nicht wahrnehmbar waren. Der Grund hierfür besteht in der Tatsache, dass sämtliche Energie frei in den Raum austreten kann."

Die Lautsprechergehäuse von Magico bestehen entweder komplett aus Aluminium, wie die gewaltigen Ultimate-Hornlautsprecher oder die Lautsprecher der Q-Serie und S-Serie.. Die Treiber sind direkt an der Vorderplatte aus Aluminium befestigt, die wiederum mittels Stangen an der Hinterplatte befestigt ist. Damit berücksichtigt MAGICO eines der von Wolf ausgesprochenen absoluten Tabus: die Schraubbefestigung der Treiber an Holz oder MDF-Material. Er ist der festen Meinung: "Schon nach einem Monat werden die Schrauben durch die Schwingungen gelockert. Sie können zwar die Schrauben wieder anziehen, dürfen diese aber nur so fest anziehen, dass die  verwendeten Schraub-Einsätze sich nicht mitdrehen. In weniger als einem Jahr haben Sie bereits keine gute Kopplung mehr. Unabhängig von der Art der von Ihnen genutzten Einsätze und unabhängig von der Art des von Ihnen angewendeten Verfahrens gilt: in einem Jahr ist alles vorüber. Wenn Sie keine gute Kopplung mehr haben, ist in Bezug auf Präzision alles verloren. Hören Sie den Treiber, das Gehäuse oder das 'Herumflattern'? Ihre gute Auflösung ist weg."

 Die Wahrheit ist, dass es auf dem Gebiet der Akustik- und Materialwissenschaft zahlreiche Fortschritte gegeben hat, die in den Lautsprechern keinen Niederschlag gefunden haben. Sie können diese Fortschritte bei der Elektronik, aber bei keinem der von der Industrie herausgebrachten elektromagnetischen Produkte. Der Grad des technischen Fortschritts und dessen Umsetzung in der Lautsprecherindustrie ist sehr gering. In den letzten fünf Jahren ist so ziemlich alles beim Alten geblieben." Ist das nicht eine Pauschalverurteilung? Damit sich kein Lautsprecherhersteller ausgegrenzt fühlt, erstreckt sich Wolf's Kritik auch auf die audiophilen Kritiker.

 Wolf sagt: "Es gibt eine ganze 'Kritikindustrie', die sich aus der Diskussion der feinen Unterschiede zwischen dem, was im Grunde genommen Variationen beim gleichen Lautsprecher ergibt, und es gibt eine Menge Unsinn dabei. Wenn Autos auf die gleiche Art und Weise gebaut würden, dann könnte es passieren, dass man ein Auto für eine Fahrt auf der Autobahn hernehmen würden und dieses schon bei 50 km/h auseinanderfallen würde. Im High-End-Bereich können Sie tun, was Sie wollen bzw. was immer Sie wollen. Sie kommen mit allem durch, wenn Sie ein gutes Werbepaket, eine gute Produktaufmachung und ein gutes Budget haben. Ich bin seit vielen Jahren darüber frustriert. Das ist einer der Gründe, weshalb ich im Geschäft bin. Ich konnte seinerzeit nichts finden, was mich zufrieden stellte."

 

Musik und Audio: Eine Leidenschaft für ein ganzes Leben
So fachlich fundiert die Designphilosophie von Wolf auch sein mag, so wurzelt seine Leidenschaft für eine exakte Klangwiedergabe letztlich in einer tiefen Liebe zur Musik. Er liebt ein Photo von sich, auf dem er im Alter von zwei Jahren Akkordeon spielt. Im Alter von sechs Jahren begann er mit dem Geigenspiel. Bald gehörten auch die Blockflöte und die klassische Gitarre zu seinem Leben. Er gewann mehrere Stipendien in einem Konservatorium in Israel und setzt sein Studium nach seiner Übersiedlung in die USA am San Francisco Conservatory of Music fort.

 Er verrät uns: "Seit ich denken kann, bin ich an der Musikwiedergabe interessiert. In den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war aber ein ordentliches System in Israel nicht so einfach zu haben. Als ich im Alter von 14 oder 15 Jahren das erste Mal einen Quad 57-Elektrostatik­lautsprecher hörte, war ich von dessen Klang überwältigt. Dieses Erlebnis, das mich auf die Idee zum Bau eines Systems brachte, das mir noch einmal dieses Glücksgefühl bringt, hat seitdem meinen Verstand geschärft.

 Nach der Beendigung seines Militärdienstes in Israel, der ein 18-monatiges Hauptstudium auf dem Gebiet der Physik und Mathematik an der Israeli Air Force Academy einschloss, ging Wolf in die USA. Von seinem ersten Gehalt, das er in den USA erhielt, kaufte er sich einen Plattenspieler und einen Vorverstärker. Er kaufte sich außerdem einen Kopfhörer, da er sich damals keinen Verstärker und auch keine Lautsprecher leisten konnte. Zusätzlich zum Studium der Musik setzte er sein Studium auf dem Gebiet des Industriedesigns fort. Er hörte damit auf, eine Karriere nur im Bereich der Musik anzustreben. Der Grund dafür bestand in der Erkenntnis, das er als klassischer Gitarrist ohne Lehrtätigkeit kein ausreichendes Einkommen würde, was er vermeiden wollte. Wolf's neues Ziel war es, Geld zu machen, um seine Pläne in die Tat umzusetzen. Er hörte von vielen Erfolgsgeschichten von Leuten, die schnell zu Geld gekommen waren. Er dachte sich: Wenn ich das auch schaffe, dann habe ich genug Zeit, meine Pläne zu realisieren. Sein erster Ausflug mit dem Ziel, schnelles Geld zu machen, begann mit Home Security-Produkten. Als Chefverkäufer der Firma wurde der damals 25-Jährige im Jahre 1989 damit beauftragt, in Santa Barbara und im Bay Area von San Francisco, seinem späteren Wohnort, Filialen zu eröffnen. Weniger als ein Jahr spätere gründete er seine eigene Security-Firma. Mittlerweile war er 30 Jahre alt und hatte genug Geld gemacht, um sich aus dem Tagesgeschäft zurückziehen zu können und seinen Interessen auf dem Gebiet des Designs nachgehen zu können. Er begann damit, sich mit dem kommerziellen Computeranimations-Design zu beschäftigen. Das war im Jahre 1993 genau zu der Zeit, als Jurassic Park in die Öffentlichkeit kam. Er arbeitete als Freelancer an Filmen, TV-Serien und Werbefilmen, wobei seine Auftraggeber Sony, Disney, LucasArts und andere Firmen waren. Beispiele für Filme, an denen er mitgearbeitet hat, sind Antz and Shrek. Er arbeitete außerdem an Videospielen für Electronic Arts und am Projektdesign für Sony. Zehn Jahre lang führte er High-End-Designarbeiten für hochentwickelte Software in einer virtuellen Umgebung aus, was eine Erfahrung war, die er sehr bald auf den Audiobereich anwandte.

 

508int.1

 

Die Anfänge von Magico
Wolf wandte sich auch weiterhin dem Audiobereich zu. Als selbsterklärter Autodidakt, der 20 Stunden am Tag arbeitet und nur vier Stunden Schlaf braucht, begann er mit Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auf dem Gebiet der Lautsprechertechnologie und integrierte die Physik im Kern des Industriedesigns. Vor ca. 16 Jahren begann er damit, seine Ideen zum Bau von besseren Lautsprechern in die Tat umzusetzen.

 

Alon Wolf
Neu